Historischer Schulterschluss in Kindberg:
Feuerwehr Kindbergdörfl schließt sich mit FF Kindberg-Stadt zusammen
Nach 126 Jahren eigenständiger Geschichte stellte die Freiwillige Feuerwehr Kindbergdörfl am vergangenen Samstag, dem 12. September, die Weichen für eine gemeinsame Zukunft. Bei einer außerordentlichen Wehrversammlung beschloss die Mannschaft die formelle Auflösung der Wehr und die zeitgleiche Eingliederung in die Freiwillige Feuerwehr Kindberg-Stadt. Dem ging ein monatelanger, von gegenseitigem Vertrauen geprägter Abstimmungsprozess voraus, der nun in einem mehrheitlichen Votum der Mannschaft mündete. Am kommenden Donnerstag, dem 17. September, wird die Vereinbarung dem Gemeinderat der Stadtgemeinde Kindberg zur Beschlussfassung vorgelegt.
Verantwortung statt Stillstand
Ausgangspunkt für diesen Schritt war eine offene Frage der Führungsmannschaft. Da sich der amtierende Feuerwehrkommandant HBI Robert Rakitnik, aus privaten Gründen, entschlossen hat, sich keiner Wiederwahl im kommenden Jahr zu stellen und sich keine direkte Nachfolge fand, entschieden sich er und sein Stellvertreter OBI Patrick Feichtenhofer bewusst das Heft des Handelns selbst in der Hand zu behalten. Bereits im Mai hatte eine gemeinsame Vollversammlung im Volkshaus das klare Signal für diesen partnerschaftlichen Zusammenschluss auf Augenhöhe gegeben. „Wir gehen diesen Weg nicht, weil wir gescheitert sind, sondern weil wir rechtzeitig Verantwortung übernehmen“, betonte Rakitnik in seiner Rede. „Aus zwei Wehren wird eine schlagkräftige Einheit. Was über Generationen aufgebaut wurde, sperren wir nicht zu – wir bringen unsere Erfahrung, unsere Geräte und unsere Kameradschaft in eine gemeinsame Zukunft ein.“
Lückenlose Sicherheit und Erhalt der Stützpunkte
Für die Bevölkerung bringt der Zusammenschluss ausschließlich Vorteile: Der Löschbereich geht nahtlos über und die örtliche Sirene in Kindbergdörfl bleibt für Einsätze voll aktiv. Auch die Spezialkompetenzen bleiben gewahrt. Der traditionsreiche Bootsstützpunkt wird weitergeführt und in das Gesamtsystem der FF Kindberg-Stadt integriert. Die über viele Jahre erwirtschafteten Mittel der Wehr bleiben zweckgebunden im Feuerwehrwesen und fließen künftig in moderne Ausrüstung und Fahrzeugbeschaffungen.
Breiter Rückhalt und berührendes Gedenken
Der Abend begann mit einem Moment des Innehaltens. Die versammelte Mannschaft gedachte in einer bewegenden Gedenkminute den verstorbenen Kameraden. Die hohe Bedeutung der Zusammenführung unterstrich die hochrangige Anwesenheit der Ehrengäste. Neben der 1. Vizebürgermeisterin Christine Seitinger (in Vertretung der Stadtgemeinde) wohnten Bereichsfeuerwehrkommandant LFR Rudolf Schober, sein Stellvertreter BR Johann Eder-Schützenhofer sowie Abschnittsbrandinspektor Franz Weberhofer der Versammlung bei und sicherten der vereinten Mannschaft ihre volle Rückendeckung zu.
Ein Schutzpatron für das neue Kapitel
Dass dieser Zusammenschluss vor allem von gegenseitigem Vertrauen getragen wird, zeigte ein bewegender symbolischer Akt vor den Schlussworten. Kommandant Robert Rakitnik und sein Stellvertreter Patrick Feichtenhofer überreichten dem Kommando der FF Kindberg-Stadt – HBI Christian Deschmann und OBI Michael Fraiss – die historische Löschbereichskarte sowie die Statue des Schutzpatrons, des Heiligen Florian. Die Figur war im Vorfeld von Ehrenhauptbrandinspektor Reinhard Mühlhans in meisterhafter Handarbeit restauriert worden. Sie soll künftig im gemeinsamen neuen Feuerwehrhaus über die Sicherheit und das Wohl aller Kameradinnen und Kameraden wachen. Mit dem traditionellen steirischen Feuerwehrgruß „Gut Heil“ schloss Kommandant Rakitnik die Versammlung und leitete ein neues Kapitel der Kindberger Feuerwehrgeschichte ein.






Text: HBI Robert Rakitnik
Fotos: LM d.F. Emanuel Hochörtler

